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16.02.2008, 12:30 Uhr / tagesschau.de

Nach Buschfeuern in Australien
Klagewelle nach Tod von 189 Menschen

Wer ist für die tödlichen Buschfeuer in Australien verantwortlich, bei denen mindestens 189 Menschen starben? Ein mutmaßlicher Brandstifter sitzt bereits in Haft. Auch ein Energiekonzern muss sich vor Gericht verantworten. Ein abgerissenes Stromkabel soll eines der Feuer ausgelöst haben.

Der 39 Jahre alte mutmaßliche Brandstifter soll am 7. Februar, dem sogenannten schwarzen Sonnabend, in Churchill östlich von Melbourne vorsätzlich Feuer gelegt haben. Mindestens 21 Menschen sollen bei dem daraus entstandenen Wald- und Buschbrand ums Leben gekommen sein. Nach Informationen der Tageszeitung "The Australian" war der Mann, der in der Region lebte, in den 1980er Jahren selbst der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten.

Aufruf zu Lynchjustiz
Er muss sich wegen Brandstiftung mit Todesfolge verantworten, wegen vorsätzlicher Brandstiftung und wegen des Besitzes von Kinderpornografie. Bei einer Verurteilung droht ihm eine 25-jährige Haftstrafe. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte angekündigt, dass Brandstifter auch wegen Mordes angeklagt werden könnten. Dann würde er bei einem Schuldspruch lebenslänglich ins Gefängnis kommen. Zu seiner eigenen Sicherheit war der Angeklagte von einem Provinzgefängnis nach Melbourne verlegt worden, nachdem aufgebrachte Einwohner der Region im Fernsehen dazu aufgerufen hatten, ihn zu lynchen.

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In Melbourne muss sich einer der mutmaßlichen Brandstifter vor
Gericht verantworten. (Foto: REUTERS)

Nach offiziellen Angaben sind bei den verheerenden Wald- und Buschbränden im Süden Australiens 189 Menschen ums Leben gekommen. Es wird aber damit gerechnet, dass diese Zahl noch deutlich steigen wird. In den ausgebrannten Häusern und Autowracks im Katastrophengebiet werden noch die Leichen von bis zu 100 Opfern vermutet. Viele, die versucht hatten, zu Fuß vor dem Feuer zu fliehen und im Wald von den Flammen eingeholt wurden, werden möglicherweise niemals entdeckt, weil ihre sterblichen Überreste völlig verbrannt sind.

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Mindestens 181 Menschen starben bei den Buschfeuern in Australien. (Foto: dpa)

Stromkabel als mögliche Brandursache
Am Wochenende wurde bekannt, dass eine Sammelklage gegen ein Stromversorgungsunternehmen eingereicht wurde. Ein abgerissenes Stromkabel soll das F
euer in Kinglake, Steel Creek und St. Andrews ausgelöst haben. Allein in diesen drei Ortschaften nördlich von Melbourne waren rund 100 Menschen ums Leben gekommen.

Die Lokalpolitikerin Fran Bailey sagte im Fernsehen, die Stromleitung sei über weite Abstände in der Wald- und Buschlandschaft auf Leichtmetall-Masten entlang geführt worden. "Unsere Feuerwehrleute haben mir berichtet, dass bei den starken Winden am vergangenen Sonnabend eine der Stromleitungen abgerissen ist und durch Funkenschlag am Boden Feuer ausgelöst wurde", berichtete sie.

Eine Einwohnerin von Kinglake bestätigte diesen Vorfall. Carol Pular erklärte im Fernsehen, sie habe gesehen, was sich aus diesen Funken entwickelt habe. "Ich sah das Feuer, wie es am Rande der Auffahrt zu unserem Nachbargrundstück hoch kam und wie sie versuchten, es zu löschen", sagte sie.

Stromkabel als Beweisstück
Die australische Tageszeitung "The Age" berichtete, die polizeiliche Sonderkommission "Phoenix" habe ein abgefallenes Stromkabel als Beweismaterial sichergestellt. Auch bei der letzten großen Brandkatastrophe in Australien, am sogenannten Aschermittwoch 1983, war gegen ein Stromversorgungsunternehmen geklagt worden. Zeitungsberichten zufolge erhielten die insgesamt 5000 Kläger damals zusammen 300 Millionen australische Dollar.

[16-02-2009_Berichte]

 

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Unser Känguru-Maskottchen
(auch wenn es hier mehr wie ein Osterhase aussieht)

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