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Erstellt 13.02.09, 19:47h / Kölner Stadtanzeiger

Interview
Kürtener erlebte australische Feuerhölle

 

Der Fotograf Markus Weber aus Kürten lebt seit neun Jahren in Australien. Sein Ferienhaus befindet sich im Bundesstaat Victoria, wo die Feuersbrunst besonders stark wütete. Im Interview schildert er, dass das Feuer nur fünf Meter vor dem Haus stoppte.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Weber, Ihr Ferienhaus liegt nahe Kinglake in Victoria - dort wo die Feuer besonders gewütet haben. Steht es noch?

MARKUS WEBER: Ja, wir hatten unheimliches Glück. Fünf Meter vor dem Haus hatte das Feuer kein Futter mehr. Es hat wirklich drumherum gebrannt. Wir hatten auf Anraten der Feuerwehr das Gras ganz kurz gemäht, Äste weggeräumt und auch das Laub aus der Dachrinne entfernt - da konnte kein Funke überspringen. Das Haus eines Nachbarn, das mitten im Wald stand, ist abgebrannt. Ein anderer Nachbar musste so schnell fliehen, dass er noch nicht mal sein Portemonnaie und seine Papiere mitgenommen hat.

Wie sieht das Land jetzt aus?

WEBER: Es ist normalerweise eine sehr grüne, wunderbare Landschaft, sie ähnelt ein bisschen dem Bergischen. Jetzt ist alles kohlrabenschwarz. Das ist sehr traurig.

Haben Sie Tote gesehen?

WEBER: Nein, wir durften erst in das Gebiet, nachdem alles durchsucht und geräumt war.

Viele Feuer wurden von Brandstiftern gelegt. Was sind das für Leute?

WEBER: Ein Professor hat in einem Interview gesagt, dass hier tausende Brände pro Jahr gelegt werden, meistens zum Versicherungsbetrug. Nur ein Bruchteil der Täter ist wirklich krankhaft. Das sind dann häufig Leute, die sich besonders kümmern und als erste am Brandort sind. Das gab es in Kürten auch mal. Da war es ein ganz junger Feuerwehrmann, der Brände legte.

Glauben Sie, dass auch der Klimawandel eine Rolle spielt?

WEBER: Ich denke eher, dass viele unglückliche Umstände zusammen kamen. Wir hatten fünf Tage lang hintereinander über 40 Grad. Der Wind hat richtig auf der Haut gebrannt. Und in Victoria herrscht seit zwölf Jahren Trockenheit.

Wie ist die Stimmung jetzt?

WEBER: Es ist wirklich eine nationale Tragödie. Ich habe immer wieder Tränen in den Augen, wenn ich die Geschichten von Menschen höre, die Tote zu beklagen haben. Aber gleichzeitig gibt es hier eine Riesenhilfsbereitschaft. Alle halten zusammen. Es wurden schon so viele Kleidungsstücke und Essen gespendet, dass jetzt gebeten wird, nur noch Geld zu geben.

Australien bleibt also Ihr Traum?

WEBER: Auf jeden Fall.

Das Gespräch führte Christiane Vielhaber

 

 

 

13.02.2009, 11:32 Uhr / tagesschau.de

Buschbrände in Australien
Flammenwand auf 250 Kilometer

In Australien kämpfen tausende Feuerwehrleute verzweifelt gegen unvermindert wütende Buschbrände. Über der Großstadt Melbourne hing dicker brauner Rauch von den umgebenden Bränden; die Umweltbehörde sprach wegen der schlechten Luft eine Warnung aus.

Katastrophe_53
3000 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Feuer, die durch die große
 Hitze und Winde immer wieder angefacht werden.

250 Kilometer lange Feuerwand
Im Bundesstaat Victoria verbanden sich zwei Brände zu einer 250 Kilometer langen Flammenwand. Die bei einem Blitzeinschlag entstandenen Brände zerstörten über 280.000 Hektar Buschland und bedrohten das beliebte Ski-Ressort Mount Buffalo. Im Bundesstaat New South Wales wurde ein historischer geschützter Wald zerstört. Berichten zufolge brach auch in Western Australia westlich der Stadt Perth ein Buschfeuer aus.

Lage auf Tasmanien besonders kritisch
Besonders dramatisch ist die Situation auf der Insel Tasmanien, wo bereits mehr als 11.000 Hektar Land zerstört wurden. Mit Rodungen versuchte die Feuerwehr, zwei kleine Ortschaften vor den vorrückenden Flammen zu schützen. Am Dienstag waren in dem Ort Scamander 18 Häuser zerstört worden.

Australien erlebt derzeit eine der schlimmsten Dürreperioden seit langem, die Buschwälder sind außergewöhnlich trocken. Die Behörden rechnen damit, dass die Brandgefahr in den kommenden Tagen noch zunehmen wird. Die Temperaturen sollen weiter steigen.

 

 

 

Stand: 13.02.2009 13:39 Uhr

 

Brandkatastrophe in Australien
Mutmaßlicher Brandstifter angeklagt

 

In Australien setzt die Polizei alles daran, die Schuldigen der verheerenden Brandkatastrophe zu stellen. Viele der Feuer der vergangenen Tage waren vorsätzlich gelegt worden. Gegen einen Verdächtigen wurde inzwischen Anklage erhoben. Er soll für den Tod von 21 Menschen verantwortlich sein.Katastrophe_66

Der Grillplatz und ein paar Figuren sind alles, was von diesem niedergebranntem Haus übriggeblieben ist.

(Foto: REUTERS)

 

 

 

 

 

Während die Feuerwehren im Süden Australiens weiter gegen die Wald- und Buschbrände nördlich von Melbourne kämpfen, sucht eine Sonderkommission der Polizei auf Hochtouren nach Brandstiftern. Ein großer Teil der Brände, durch die schätzungsweise mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen sind, wurde vorsätzlich gelegt. Gegen einen mutmaßlichen Brandstifter wurde Anklage erhoben.

Der junge Mann wurde heute morgen festgenommen und von der Polizei mehrere Stunden lang befragt. Er soll am vergangenen Sonnabend in der Nähe von Churchill in Gippsland östlich von Melbourne vorsätzlich ein Buschfeuer gelegt haben, in dem offenbar mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen sind. Angeklagt wurde er wegen Brandstiftung mit Todesfolge, außerdem wegen vorsätzlicher Brandstiftung und wegen des Besitzes von Kinderpornografie. Zu seiner eigenen Sicherheit wurde er vom Provinzgefängnis in Latrobe Valley nach Melbourne gebracht. Ein Psychologe soll seine Zurechnungsfähigkeit prüfen. Am Montag soll er vor Gericht gestellt werden.

Brandstifter spricht in Fernseh-Talkshow
I
n einem Fernsehinterview sprach ein verurteilter Brandstifter aus dem Bundesstaat Victoria, der sich Ben nannte, über seine Beweggründe. Ben war selbst Feuerwehrmann und im Jahr 2003 wegen Brandstiftung in zwei Fällen verurteilt worden. "Mir ging es nicht besonders gut. Ich hatte Ärger mit meiner Ex-Freundin, die war schwanger von mir und ich hatte gerade eine neue Freundin. Das hat mich alles fertig gemacht und ich wollte einfach nur raus und abschalten. Und das kann ich am besten beim Feuerlöschen." Und er fügte hinzu: "Heute weiß ich natürlich, dass das falsch war, was ich gemacht habe. Man kann so viel Unheil dadurch anrichten. Feuer ist einfach unberechenbar."Katastrophe_67

Bis auf die Grundmauern abgebrannt ist dieses Haus in Steels Creek nordöstlich von Melbourne.

(Foto: REUTERS)

 

 

 

 

 

Suche nach Aufmerksamkeit und Nervenkitzel
Nach Einschätzungen des australischen Instituts für Kriminologie handelt es sich bei Brandstiftern in den meisten Fällen um junge Männer, die Aufmerksamkeit und Nervenkitzel suchten. Sie seien meist Einzelgänger aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die oftmals selbst Opfer von Gewalt gewesen seien. Es sei sehr schwer sie zu fassen und zu überführen, sagte der Leiter der Sonderkommission "Phoenix", Danny Moloney, im australischen Rundfunk: "Sie handeln meist alleine und haben sehr unterschiedliche Beweggründe. Und weil es keine Mittäter gibt und die Brandstifter in der Regel mit niemandem über ihre Tat sprechen, ist es sehr schwer, sie zu überführen."

Zur jüngsten Brandserie im Süden Australiens sagte Brandstifter Ben, er hoffe, dass die Schuldigen bald gefasst würden: "Ich bin wirklich geschockt, von dem was die da getan haben. Die Zerstörung, die das Feuer angerichtet hat, ist einfach schockierend. Irgendwas muss dringend geschehen, dass man diejenigen, die vorhaben, Buschbrände zu legen, rechtzeitig findet und stoppt."

Nach den Bränden kamen die Plünderer
Außer um Brandstifter kümmert sich die Polizei auch um andere Verbrecher im Katastrophengebiet. Plünderer versuchen, aus den verlassenen, aber stehengebliebenen Häusern Wertgegenstände zu stehlen. Eigentlich sind die Zufahrtsstraßen zu den betroffenen Ortschaften abgesperrt, nur Anwohner und Rettungskräfte werden durchgelassen.

[13-02-2009_Berichte]

 

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Schild Sydney
Makottchen

Unser Känguru-Maskottchen
(auch wenn es hier mehr wie ein Osterhase aussieht)

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